Geschichte

Gegründet wurde die Akademie der Künste 1696 von Kurfürst Friedrich III., dem späteren preußischen König Friedrich I.. Als Künstlergemeinschaft mit repräsentativen und beratenden Aufgaben waren ihre Vorbilder die Akademien in Rom und Paris. Damit war sie die dritte dieser Art, auf die im Laufe des 18. Jahrhunderts von St. Petersburg über London bis Madrid weitere Künstler-Akademien folgten. Die Mitglieder, von den Zwängen der Handwerkerzünfte befreit, waren jedoch von Beginn an zur Künstlerausbildung verpflichtet. Die Berliner Institution knüpfte hierin vor allem an die Pariser Akademie an, die sich von dem Gedanken leiten ließ, dass die Kunst wie die Naturwissenschaften erlernbar seien. Gemeinsam mit der 1700 gegründeten Akademie der Wissenschaften erhielt sie Räume im Obergeschoß des Marstalls Unter den Linden. Eine Blütezeit erlebte die Akademie um 1800, als sie im Zeichen der Aufklärung für eine kulturelle und gesellschaftliche Erneuerung wirkte. Für diese Zeit steht der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, der 36 Jahre lang Direktor der Akademie war. In seine Amtszeit fällt 1799 mit der Gründung der Bauakademie die erste Herauslösung einer Institution aus der Akademie. Auch die 1810 neugegründete Universität übernahm Aufgaben der Akademie. Einschneidend war der Bau des Neuen Museums, nachdem die königlichen Sammlungen bereits in der Akademie gezeigt worden waren. Eine wesentliche Erweiterung des Akademiegedankens führte 1833 zur Gründung der Sektion Musik.
Reformbemühungen und Veränderungen gehören zur Geschichte der Akademie. So führte eine neue Struktur der Ausbildung zur Gründung eigener Hochschulen, 1869 für Musik und 1875 für Bildende Kunst, die bis 1931 rechtlich Teil der Akademie blieben und die heutige Universität der Künste bilden. Ergebnis der Reform war die grundlegende Erneuerung des Statuts von 1790, durch die die Zusammensetzung des Senats neu geregelt wurde und an die Spitze ein jährlich wechselnder Präsident trat. Der erste Präsident war 1875 der Architekt Friedrich Hitzig.

Friedrich I., Reliefbildnis des Gründers der Akademie von Andreas Schlüter

Die Geschichte jeder Akademie ist ein Lehrstück der Freiheit. Auch die unsere. Die Akademie in Berlin war eine Gründung des Absolutismus – sie gehörte gewissermaßen zu den Juwelen, mit denen sich Kurfürst Friedrich III. zum preußischen König Friedrich I. krönte. Er verfolgte damit den praktischen Zweck, über eine eigene Schule für das benötigte Kunsthandwerk zu verfügen. Aber schon das Wort „Akademie“ führt aus seinem antiken Ursprung – dem Philosophengespräch im Hain des Akademos vor den Toren Athens – zugleich einen ganz anderen Anspruch mit. Die Akademie erzog zum freien Gespräch; ihr Ziel war eine vorbildliche Kunst des Denkens und des Lebens.

Adolf Muschg, Präsident der Akademie der Künste 2003-2006, Vorwort zu "Die Akademie der Künste in Berlin. Facetten einer 300jährigen Geschichte".

1907 erhielt die Institution im umgebauten Palais Arnim am Pariser Platz ihren neuen Sitz. In der Weimarer Republik wurde die Akademie unter der Präsidentschaft Max Liebermanns zu einem Ort der Auseinandersetzung um die Moderne. Mit der Gründung der Sektion für Dichtkunst (heute Literatur) im Jahre 1926 verstärkte sich ihr Charakter als Ort kritischer Auseinandersetzungen unterschiedlicher Kunstrichtungen. Der in ihrer Geschichte bis dahin tiefste Einschnitt in die Autonomie und liberale Tradition der Akademie war am 15. Februar 1933, nur 15 Tage nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, der von Reichskommissar Rust erzwungene Austritt von Käthe Kollwitz und Heinrich Mann, dem Martin Wagner aus Solidarität folgte. Zwischen 1933 und 1938 wurden 41 Mitglieder aus politischen oder antisemitischen Gründen ausgeschlossen, verließen die Akademie, gingen in die Emigration. Lediglich dem Namen nach konnte die Institution weiterexistieren. 1937 musste sie ihr Haus am Pariser Platz für die Generalbauinspektion Albert Speers räumen und zog in das Kronprinzenpalais. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde das Akademiegebäude am Pariser Platz weitgehend zerstört.

Nach Kriegsende war die Akademie arbeitsunfähig. Der Kalte Krieg, die ideologische Vereinnahmung der Künste und die rigorose Teilung Berlins erlaubten es nicht, eine gemeinsame Akademie zu schaffen. Ost und West stritten um die wahre Nachfolge der Preußischen Akademie der Künste. 1950 wurde die „Deutsche Akademie der Künste“, die spätere  "Akademie der Künste der DDR" konstituiert und erhielt ihren Hauptsitz am Robert-Koch-Platz. Arnold Zweig, aus der Emigration nach Palästina zurückgekehrt, wurde anstelle des vor Amtsantritt verstorbenen Heinrich Mann ihr erster Präsident. Im Westen kam es erst 1954 zur Neukonstituierung. Hier wurde Hans Scharoun erster Präsident nach dem Krieg. Durch den von dem Deutschamerikaner Henry Reichhold gestifteten Neubau am Rande des Tiergartens, dessen Architekt Werner Düttmann war, konnte sie ihr engagiertes Kulturprogramm in eigenen Räumen fortsetzten.  Beide Akademien erweiterten sich um eine Sektion Darstellende Kunst; im Westen kam 1984 die Abteilung (seit 2005 Sektion) Film- und Medienkunst hinzu.

1993, vier Jahre nach dem Fall der Mauer, wurden nach einem schwierigen Vereinigungsprozess Ost- und Westakademie zu einer von den Ländern Berlin und Brandenburg getragenen Institution vereinigt. Die Neukonstitution der Akademie unter der Bedingung eines gleichberechtigten Zusammengehens ist das große Verdienst der Präsidenten Heiner Müller (Ost) und Walter Jens (West). Die Wahl von Walter Jens zum ersten Präsidenten der vereinigten Akademie der Künste im Juni 1994 bildete den Abschluss, so dass 1996 das dreihundertjährige Jubiläum gemeinsam gefeiert werden konnte. 

Das Jahr 2005 markierte die jüngsten bedeutenden Zäsuren in der Geschichte der Akademie der Künste: Der Deutsche Bundestag beschloss das Gesetz zur Akademie der Künste; damit ging die Institution in die Trägerschaft des Bundes über. Und die Akademie kehrte mit dem Bezug ihres von Günter Behnisch geplanten Neubaus in ihr historisches Umfeld an den Pariser Platz zurück. Doch bleibt neben dem Hauptgebäude das Haus am Hanseatenweg ein wichtiger Standort für Ausstellungen, Veranstaltungen und Zusammenkünfte, wie auch die verschiedenen Archivgebäude mit ihren bedeutenden Sammlungen wesentlich zum Charakter der Institution beitragen.
 

Zum Weiterlesen:
Hans Gerhard Hannesen: Die Akademie der Künste in Berlin. Facetten einer 300jährigen Geschichte. Akademie der Künste, Berlin 2005. Halbleinen; 172 S.; zahlreiche farbige und s/w Abb.; 19 x 13 cm. ISBN 3-88331-091-3.

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