Bildende Kunst – Ausstellungen

Auf Initiative und durch Mitwirkung einzelner Mitglieder entwickelt die Sektion Bildende Kunst thematische Ausstellungen, Gruppenausstellungen und monografischen Präsentationen. Darüber hinaus stellt sie jährlich das Werk eines ihrer Mitglieder im Kurt Tucholsky Literaturmuseum im Schloss Rheinsberg vor und richtet die Ausstellung zum Käthe-Kollwitz-Preis aus.

Ausstellungsansicht „Uncertain States“, 2016

Ausstellungsansicht "Uncertain States"

Ausstellungsansicht „Uncertain States“, 2016

Ausstellungsansicht „Uncertain States“, 2016

Ausstellungsansicht „Uncertain States“, 2016

Ausstellungen im Jahr 2018

  • Underground und Improvisation. Alternative Musik und Kunst nach 1968
    Ausstellungen, Konzerte, Diskurse im Akademie-Gebäude am Hanseatenweg, 15.3. — 6.5.2018

Das Programm „Underground und Improvisation" reflektierte die experimentellen, anarchistischen oder avantgardistischen Musikentwicklungen in Westberlin und Osteuropa – vom Prager Frühling bis zur Nachwendezeit. Erstmals stellte die Akademie der Künste diese Bewegungen in zwei großen Ausstellungen und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm vor.

Die Ausstellung „Free Music Production / FMP: The Living Music" präsentierte die Geschichte der Free Music Production (1968–2010), einer von Künstlern initiierten Berliner Plattform für die Produktion, Präsentation und Dokumentation von Musik. In der Akademie der Künste fanden legendäre FMP-Konzerte und Veranstaltungen statt; sie schrieben international Geschichte als eine der wichtigsten kulturhistorischen Leistungen Westberlins. Mit dieser Ausstellung und einem Konzertprogramm wurde die Geschichte wieder an ihren Ausgangsort zurückgeführt und traf auf die Gegenwart der zeitgenössischen Musik-Szene.

Die Ausstellung „Notes from the Underground – Art and Alternative Music in Eastern Europe 1968–1994" wurde einer Generation von Künstlerinnen und Künstlern gewidmet, die in Abgrenzung zur offiziellen Kultur an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Videokunst und experimenteller Musik agierte. Zensur und Mangel führten zu einfallsreichen und oftmals ironischen Arten des Arbeitens. Gezeigt wurde eine Auswahl mitunter noch nie ausgestellter Zeitzeugnisse, darunter von Künstlern selbst kreierte Musikinstrumente, Super-8-Filme, Samisdat-Zeitschriften und dokumentarische Aufzeichnungen von Aufführungen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite zum Projekt: www.adk.de/underground-improvisation/

  • Micha Ullman: „Sandkorn"
    Installation im Akademie-Gebäude am Pariser Platz, 8. — 22.4.2018

Anlässlich der Wiedereröffnung der Ausstellungssäle am Pariser Platz war im Frühjahr 2018 Micha Ullmans Installation „Sandkorn" zu sehen. Micha Ullman zeigte ein Korn des Hamra-Sandes (arabisch: hamra – rot) als skulpturale Installation. Das Korn entstammt dem Boden, auf dem er unweit von Tel Aviv lebt. Ullman arbeitet mit diesem Material seit über 45 Jahren in Skulptur, Zeichnung und Video. Das Werk wurde erstmals 2011 in der retrospektiven Ausstellung Sands of Time im Israel Museum in Jerusalem vorgestellt.

Der Titel bezieht sich auf den ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat, der 1973 vor dem Jom-Kippur-Krieg gesagt haben soll, er werde die von Israel 1967 besetzte Sinai-Halbinsel „bis zum letzten Sandkorn" zurückerobern. Nach seiner militärischen Niederlage kam es zu einer komplizierten Annäherung und schließlich zu Verhandlungen mit Israel. In der Folge sprach Sadat 1977 vor der Knesseth und erkannte als erster arabischer Staatsmann das Existenzrecht Israels an. Ein Jahr danach schlossen Sadat und Menachem Begin das Camp-David-Friedensabkommen und Israel gab den Sinai friedlich an Ägypten zurück.

Zu seiner Skulptur hat Micha Ullman sechs Zeichnungen zum Sandkorn geschaffen, die weitere Sinnschichten erschließen: „Der Betrachter wird aufgefordert, in den Sandkörnern wie in Sterngruppen mögliche Bilder zu entdecken, die auf mehreren Feldern Imaginationen erzeugen. Auch hier ist die Sprache eine der Andeutungen. Die Sandkörner auf dem Blatt sind wie Akupunkturpunkte, die Energieflüsse bezeichnen. Jedes Blatt mit einer anderen Richtung: Sterne, Zellen, Körperteile, Sinne, Buchstaben, Zahlen ... Der gemeinsame Nenner dieser Bilder ist das kreative Potential des Motivs, in endlosen Kombinationen zu agieren. Die Organisation des Raumes wird durch die Größe der Sandkörner, den Farbton und die Zwischenräume bestimmt. Der Betrachter wird eingeladen, auch durch seine Distanz zu den Zeichnungen, Landschaften des Erscheinens und des Verschwindens zu entdecken."

  • Dieter Appelt – Vortex. Für Marguerite Duras
    Ausstellung im Kurt Tucholsky Literaturmuseum, Schloss Rheinsberg, 12.8. — 4.11.2018
    Eröffnung: Sonntag, 12.8., 11 Uhr

Dieter Appelt, dessen Arbeiten von einem fotografischen und filmischen Denken ausgehen, hat nach seinem Musikstudium in Leipzig immer wieder gezeichnet. Seine häufig metrisch strukturierten Zeichnungen entstanden in den letzten Jahren als eigenständige Notationen, deren offene Anordnung von Linien und Punkten dennoch eine Bestimmtheit der musikalischen Interpretation verlangen. Das 2006 gegründete Sonar Quartett wird die Zeichnung No. 37 von 2016 zur Eröffnung aufführen und zu der von Dieter Appelt für die Ausstellung geschaffenen Wandzeichnung eine Improvisation entwickeln.

Appelt, der mit seinem Konzept von Notation die Inititalzündung für die gleichnamige Akademie-Ausstellung gegeben hat, knüpft damit in überraschender Weise an seine Auseinandersetzung mit Aufzeichnung, Sequenz und Wiederholung ebenso an wie an seine Begeisterung für die französische Schriftstellerin und Filmemacherin Marguerite Duras. Die Ausstellung umfasst auch Fotografien und Filme, die er in diesem Sinne als Vortex, als Wirbel von aufgezeichneten Bewegungen und als Schnittpunkt zwischen Raum und Zeit versteht. Erstmals gibt er einen Einblick in seine Notizbücher.

In Kooperation mit dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum Schloss Rheinsberg.

  • Kollwitz-Preis 2018. Adrian Piper

    Ausstellung im Akademie-Gebäude am Pariser Platz, 1.9. – 14.10.2018
    Eröffnung und Preisverleihung. Freitag, 31.8., 19 Uhr

„The power of art is unlimited for social change" – bekräftigt Adrian Piper. Mit Themen wie Geschlecht und Rasse erweiterte die amerikanische Künstlerin und analytische Philosophin das Spektrum der Konzeptkunst und des Minimalismus der ersten Generation und hinterfragt damals wie heute die politischen Bedingungen für die Produktionsprozesse von Kunst, deren Rezeption und Bedeutung. Sie vermeidet in ihren Werken eine elitäre Kunstsprache und versucht Situationen herzustellen, in denen die Betrachterinnen und Betrachter unmittelbar reagieren können. Pipers Art zu denken und zu handeln, bringt bei ihren Recherchen und Projekten ein außergewöhnliches gesellschaftliches, ökonomisches, psychologisches und spirituelles Potenzial der Bildenden Künste hervor. Sie hat den Blick auf die afroamerikanische Kunstszene nachhaltig geprägt und der weißmännlichen Sichtweise auf Kultur im Allgemeinen den Spiegel vorgehalten. Adrian Piper entwickelt für den Pariser Platz ortsspezifische Arbeiten, die anlässlich der diesjährigen Käthe-Kollwitz-Preis-Verleihung zu sehen sein werden.

Mit freundlicher Unterstützung der Kreissparkasse Köln, Träger des Käthe Kollwitz Museum Köln.

Gruppenausstellungen

Die thematischen Ausstellungen befassen sich mit ausgewählten künstlerischen und technischen Fragestellungen, verfolgen einen interdisziplinären Fokus und erzeugen auf diesem Weg weit gefasste Spannungsfelder. Sie entstehen in Eigenregie oder in Kooperation mit Institutionen und Universitäten.

SCHAUM – Selbstoptimierung (Akademie-Gebäude am Pariser Platz, 18.2. – 2.4.2017)

GABRIELE MÜNTER PREIS 2017 (Akademie-Gebäude am Hanseatenweg, 15.3. – 17.4.2017)

Linienwärts. Hanns Schimansky (Kurt Tucholsky Literaturmuseum im Schloss Rheinsberg, 11.6. – 10.9.2017)

Käthe-Kollwitz-Preis 2017. Katharina Sieverding (Akademie-Gebäude am Hanseatenweg, 12.7. – 27.8.2017)

KOLLWITZ NEU DENKEN, Käthe-Kollwitz-Preisträger der Akademie der Künste (Käthe Kollwitz Museum, Köln, 29.9. – 10.12.2017)

UNCERTAIN STATES – Künstlerisches Handeln in Ausnahmezuständen“ war eine Ausstellung, in der die Bedeutung des Erinnerns und Erzählens für den Prozess gesellschaftlicher und kultureller Transformation befragt wurde. Debatten und Forschungen aus Politik, Sozial- und Kulturwissenschaften sind ebenso eingebettet wie die Erinnerung an den Ausnahmezustand von Künstlerinnen und Künstlern zwischen 1933 und 1945 in Deutschland durch die Präsentation außergewöhnlicher Dokumente und Objekte aus den Archiven der Akademie. Sie bilden ein Zusammenspiel von diskursiven, dokumentarischen und narrativen Beiträgen in den Medien Film, Video, Fotografie, Skulptur und Malerei.

Die Ausstellung „lens-based sculpture“ widmete sich erstmals aus der Perspektive der Geschichte der Skulptur dem Verhältnis von Fotografie und Skulptur – mit rund 200 Exponaten von mehr als 70 Künstlerinnen und Künstlern. Das Spektrum reichte von der hyperrealistischen bis zur immateriellen Plastik, von der skulpturalen Rauminstallation bis zur fiktiven Skulptur, von der performativen Skulptur bis zur Spurensicherung und zu fotomedialen Untersuchungen in Form skulpturaler Apparate.

Die Ausstellung „Schwindel der Wirklichkeit“ stellte künstlerische Strategien und Arbeitsweisen vor, in denen die Wahrnehmung des Betrachters und die Konfrontation mit sich selbst ins Zentrum rücken. Während in den 1960er-Jahren die für Film und Fernsehen genutzten neuen technischen Abbildungs- und Kommunikationsmöglichkeiten ins Blickfeld künstlerischer Arbeitsprozesse gerieten, nutzt heute eine jüngere Künstlergeneration die exponentiell gewachsenen Möglichkeiten – von Browser-Skript und App über Hard- und Software-Modifikation bis hin zu Computerspiel, virtueller Realität und Netzwerk-Interventionen.

Die Ausstellung „Aufbruch. Malerei und realer Raum“ ging der Frage nach, mit welchen künstlerischen Strategien die Wahrnehmung des Betrachters über die Grenzen des traditionellen Tafelbilds hinaus bis hin zu Rauminstallationen überführt werden kann. 1949 durchstieß der Italiener Lucio Fontana erstmals mit einem Locheisen die materielle Bildfläche – der Amerikaner Ellsworth Kelly schuf in Paris sein erstes rahmenloses Bildobjekt – der Franzose François Morellet überzog ab 1952 weiß gestrichene einfache Bildtafeln mit repetitiven Strukturen. Seit dieser Zeit öffneten immer mehr Künstler in Europa und Amerika die festen Grenzen der gerahmten Bildfläche und ersetzten den fiktiven Bildraum durch den Bezug zum realen Umraum.

Mit dem internationalen Großprojekt „Das Verlangen nach Form – O Desejo da Forma. Neoconcretismo und zeitgenössische Kunst aus Brasilien“ wurden neue zentrale Themen der zeitgenössischen Kunst aus Südamerika zur Diskussion gestellt. Historische Werke unter anderem von Hélio Oiticica, Lygia Clark, Lygia Pape, Ivan Serpa, Aluísio Carvão, Amilcar de Castro sowie Lucio Costa, Oscar Niemeyer und Roberto Burle Marx zeigten den Aufbruch des „Verlangens nach Form“, der zu bleibenden Leistungen in der bildenden Kunst, der Architektur und Städteplanung sowie im Designs führte und durch zeitgenössische Künstler erweitert wurde.

Die Ausstellung „Notation. Kalkül und Form in den Künsten“ widmete sich dem vielfältigen Spektrum der künstlerischen Prozesse zwischen Konzept und Werk und setzte Arbeiten von über 100 Künstlern aus allen Bereichen von Ende des 19. Jahrhunderts bis heute in Beziehung.

Das Thema der Ausstellung „RAUM. Orte der Kunst“ war die Frage nach dem Verhältnis von Raum und Ort in den Künsten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verbinden die Künste in zunehmendem Maße Darstellungen des Raumes mit der Befragung ihres eigenen Ortes. Mit dem Verschwinden der fraglosen Hierarchie gesellschaftlicher Orte in der Moderne verlor die Kunst nicht nur den Auftrag der Repräsentation, sondern auch die Grundlage ihres traditionellen Selbstverständnisses.

Ausstellungen zum Käthe-Kollwitz-Preis

Jährlich richtet die Sektion Bildende Kunst die Ausstellung zum Käthe-Kollwitz-Preis in der Akademie der Künste aus.

Mitgliederausstellungen

In Kooperation mit dem Kurt-Tucholsky Literaturmuseum Schloss Rheinsberg stellt die Sektion Bildende Kunst seit dem Jahr 2000 jährlich das Werk eines ihrer Mitglieder in Rheinsberg vor – in den ersten Jahren im Schlosstheater Rheinsberg, seit 2002 im Kurt Tucholsky Literaturmuseum im Schloss Rheinsberg.

2017 ist Ausstellung mit Hanns Schimansky einem der herausragenden deutschen Zeichner der Gegenwart gewidmet. Mit Grafit, Ölkreide, Bleistift oder Gouache arbeitet er auf Papier, das nicht nur als Träger der Zeichnungen fungiert, sondern auch in den grafischen Prozess mit dem Prinzip der Faltungen eingreift. Von visuellen Eindrücken hergeleitet, bietet er dem Betrachter bei aller Freiheit einer individuellen Wahrnehmung seine Version des Erlebten und Sichtbaren, die alles andere als abstrakt ist. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten.

In der Tradition der Gruppenausstellungen und monografischen Präsentationen von Mitgliedern standen die beiden großen Mitgliederausstellungen zum 320-jährigen Bestehen unserer Sektion in den Kunstsammlungen Chemnitz und in Rheinsberg.

Von Frühjahr bis Herbst des Jahres lief das Kooperationsprojekt „Schloss Rheinsberg – Wiedererweckung eines Musenhofes“ mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum, Schloss Rheinsberg: In dem restaurierten Schloss und Lustgarten sowie in der Galerie zeitgenössischer Kunst waren zeitgleich ausgewählte Kunstwerke und ortsspezifische Installationen von Akademiemitgliedern und Stipendiaten der Sektion Bildende Kunst zu sehen.

Im Herbst 2015 stellte die Akademie der Künste 100 ausgewählte Werke von aktuellen Mitgliedern in den Kunstsammlungen Chemnitz vor, darunter Bildhauer, Maler, Fotografen, Filmemacher sowie Konzept-, Video- und Soundkünstler. Die Exponate entstammten den Schenkungen der Mitglieder an die Kunstsammlung der Akademie der Künste, öffentlichen und privaten Sammlungsbeständen sowie den eigenen Beständen der Kunstsammlungen Chemnitz. Die Kuratoren konnten Arnold Dreyblatt gewinnen, für die Ausstellung die ortspezifische Multimediainstallation „Repertoire“ zu entwickeln, die auf der Geschichte der Akademie der Künste, den Daten von rund 2.500 Mitgliedern seit ihrer Gründung 1696 basiert und diese neuartig strukturiert.

Schloss Rheinsberg: Karin Sander

Schloss Rheinsberg: Rolf Szymanski

Schloss Rheinsberg: Alfonso Hüppi

Schloss Rheinsberg: Hermann Pitz

Schloss Rheinsberg: Armando

Die Ausstellung „ausgezeichnet zeichnen“ vereinte erstmals seit der großen Mitgliederausstellung 1993 Mitglieder aus der ehemaligen Ost- und West-Akademie. Sie stellte den gewandelten Begriff von Zeichnung in der gegenwärtigen bildenden Kunst zur Diskussion. Gezeigt wurden etwa 450 Werke von 66 Künstlern. Ausgewählte Arbeiten verstorbener Mitglieder – wie Joseph Beuys, Carlfriedrich Claus, André Thomkins und Emilio Vedova – ließen zudem die historische Tragweite der Veränderung des Zeichnens sichtbar werden.

Rheinsberg: Dieter Goltzsche

Schloss Rheinsberg: Michael Schoenholtz

Schloss Rheinsberg: Marwan

Schloss Rheinsberg: Joachim John

Schloss Rheinsberg: Lothar Böhme

Schloss Rheinsberg: Hans Vent / Sylvia Hagen / Inge Zimmermann

Schloss Rheinsberg: Wieland Förster 

Schloss Rheinsberg: Wieland Förster

Schloss Rheinsberg: Peter Zimmermann

Schloss Rheinsberg: Jim Dine