Fritz Erlers Schwarzer Pierrot, 1908, Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung, und sein darunter verborgener Fechter, Titelblatt der Zeitschrift Jugend, 10.1905, Heft 18 (Montage)

Spurensicherung. Die Geschichte(n) hinter den Werken

Ausstellung

Provenienzforschung bedeutet mehr als die Klärung von Eigentumsverhältnissen und die Wiedergutmachung historischen Unrechts. Sie ermöglicht eine neue und andere Sicht auf altbekannte Werke. Überraschende Forschungsergebnisse über die Herkunft von Bildern, Büchern, Objekten und Dokumenten in den Sammlungen der Akademie der Künste sind Ausgangspunkt für die Ausstellung Spurensicherung. An ausgewählten Beispielen werden die detektivischen Methoden der Provenienzforschung verdeutlicht und die Geschichten hinter den Werken erzählt. Zugleich wird thematisiert, welche Rückwirkungen die Rechercheergebnisse für die Akademie haben und wie komplex die Entscheidungsfindung bei belasteten Objekten ist.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zentrale Aspekte der Besitzgeschichte von Kunstwerken: Es geht um die Identifizierung von NS-Raubkunst in den eigenen Beständen und um die Suche nach den im Zweiten Weltkrieg verlorenen Sammlungen der Preußischen Akademie der Künste. Ein ganz anderes Thema, das zunehmend in den Fokus der Provenienzforschung gerät, sind die Bemühungen des DDR-Staatsapparates, in den Besitz verwertbarer Kunstgüter oder identitätsstiftender Sammlungen zu gelangen.

Zu den Exponaten gehören Manuskripte des Philosophen Walter Benjamin, die von der Gestapo beschlagnahmte Sammlung des Kunstkritikers Alfred Kerr, ein Skizzenbuch aus dem Nachlass von Max Liebermann, verloren geglaubte Ölskizzen von Carl Blechen oder die private Gemäldesammlung von Otto Nagel, die nach seinem Tode die Begehrlichkeit der DDR-Kulturpolitik weckte.

Ein Veranstaltungsprogramm mit Diskussionsrunden, vielseitige Vermittlungsangebote sowie eine Publikation mit vertiefenden Essays und Werkbiografien begleiten die Ausstellung. Die Künstlerin und Filmemacherin Marianna Christofides setzt sich in einer Mixed-Media-Installation mit Objekten und Themen der Ausstellung auseinander.

Begleitend zur Ausstellung bietet KUNSTWELTEN Programme für Kinder, Jugendliche und Familien an. In einer „Fälscherwerkstatt“ können junge und ältere Gäste Bilder übermalen, bedrucken und Signets ändern. Audioguides, die gemeinsam mit Schüler*innen produziert wurden, führen durch die Ausstellung. Sie erzählen Geschichten aus der Perspektive verschiedener Ausstellungsobjekte, ohne dabei den Titel, Künstler*in oder Besitzer*in zu verraten. Die Besucher*innen folgen einem Entdeckungsparcours, um die Exponate in der Ausstellung zu finden.

 

Programm

Mittwoch, 2.11.
19 Uhr, Gespräch

Unter die Lupe genommen. 5 Werke – 5 Fälle 
mit den Kuratorinnen Doris Kachel und Anna Schultz, Werner Heegewaldt (Direktor des Archivs), Peter Konopatsch (Musikarchiv), Erdmut Wizisla (Leiter des Walter Benjamin Archivs)
Moderation: Maria Obenaus (Deutsches Zentrum Kulturgutverluste)
In deutscher Sprache 

Mittwoch, 16.11.
19 Uhr, Gespräch

Kulturgutverluste heute – Ein Blick in die Ukraine 
mit Olena Balun (Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine), Yuliya Vaganova (Khanenko-Museum, Kyiv), Olaf Hamann (Staatsbibliothek zu Berlin)
Moderation: Barbara Welzel (TU Dortmund)
In deutscher und englischer Sprache 

Mittwoch, 18.01.
19 Uhr, Gespräch

Kunstgut im Fadenkreuz der DDR-Behörden 
u. a. mit Ulf Bischof (Rechtsanwalt), Uwe Hartmann (Deutsches Zentrum Kulturgutverluste), Werner Heegewaldt und Doris Kachel
Moderation: Christopher Jütte (Deutsches Historisches Museum)
In deutscher Sprache 

Führungen
Di 17 Uhr
Mit den Kurator*innen:
Do 17 Uhr und So 11 Uhr (außer 4.12., 25.12.)


Publikation zur Ausstellung
(im Eintrittspreis enthalten)

Einzelverkauf: € 9, ca. 96 Seiten, 60 Abbildungen
Hg. Akademie der Künste, Berlin
ISBN 978-3-88331-250-7

Werkkartei von Otto Dix mit Sicht auf die Karte „Zerstörter Schützengraben", 1918, Akademie der Künste, Berlin, Otto-Dix-Archiv © Akademie der Künste, Berlin. Foto: Oliver Ziebe

Reste der Nachlass-Bibliothek von Alfred Kerr in der Akademie der Künste, Berlin © Akademie der Künste, Berlin. Foto: Oliver Ziebe

Rudolf G. Bunk, Tanzende Paare, 1935 auf der Rückseite des Gemäldes Porträt Hanns Meinke, Öl auf Leinwand, Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung KS-Gemälde MA 272 © Akademie der Künste, Berlin. Foto: Kerstin Marth

Fritz Erler, Schwarzer Pierrot, 1908, Öl auf Leinwand, Akademie der Künste, Berlin, Kunstsammlung, KS-Gemälde MA 221 © Akademie der Künste, Berlin. Foto: Oliver Ziebe

Fritz Erler, Schwarzer Pierrot [Detail Rückseite], 1908, Öl auf Leinwand, Akademie der Künste, Kunstsammlung, KS Gemälde MA 221 © Akademie der Künste. Foto: Oliver Ziebe

29.10.2022 — 22.1.2023

Eröffnungsveranstaltung
Fr, 28.10., 19 Uhr, Eintritt frei

Di – So 11 – 19 Uhr

€ 9/6

Eintritt frei bis 18 Jahre, dienstags ab 15 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat

Weitere Informationen

Aktuelle Hygieneregeln