Restaurierung

Konservatorische Maßnahmen an einem Teilbestand des Archivs der Volksbühne

Projektlaufzeit: Oktober 2019 – Juni 2020

Archivmaterial aus dem Volksbühnen-Archiv

Erwachsen aus der Volksbühnen-Bewegung, die breiten Bevölkerungskreisen, unabhängig von sozialen Schranken, Zugang zu Bildung durch Kultur zu eröffnen bestrebt war, wurde das Gebäude der Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin – erbaut aus Spendengeldern – im Jahre 1914 eröffnet. Die Geschichte dieses Theaters spiegelt die Höhen und Tiefen deutscher Kulturgeschichte wider. Seine internationale Ausstrahlung gründet auf den maßgebenden künstlerischen Persönlichkeiten, die als Intendanten, Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Bühnenbildner*innen dort wirkten. Fritz Wisten, von 1933 bis 1941 künstlerischer Leiter des legendären Jüdischen Kulturbundes, führte die Bühne in den ersten Nachkriegsjahren bis 1961 wieder zu einem Niveau, auf dem danach Wolfgang Heinz, Maxim Vallentin und Benno Besson aufbauen konnten. Der Spielplan der Volksbühne verknüpfte in dieser Zeit kritische Gegenwartsstücke mit moderner Regie, mit z.T. umstrittenen Inszenierungen von Heiner Müller und anderen.

Im Jahr 2017 übernahm die Akademie der Künste das Volksbühnen-Archiv, das in seltener Vollständigkeit und künstlerischer Vielfalt die Arbeit einer Berliner Bühne nach dem 2. Weltkrieg dokumentiert. Es enthält neben einer lückenlosen Dokumentation der einzelnen Produktionen eine umfangreiche Fotosammlung sowie Dramaturgie- und Intendanzunterlagen, Aufführungs- und Imageplakate sowie eine Sammlung audiovisueller Aufzeichnungen. Von besonderer Bedeutung sind die Unterlagen aus der Intendanz Frank Castorfs (1992-2017), der das Haus zu einem zentralen Ort künstlerisch-ästhetischer Auseinandersetzungen, des öffentlichen Diskurses über gesellschaftspolitische Fragen und kultureller Ost-West-Transformationen machte.

Das Archiv der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz – mit ca. 600 Umzugskisten eines der umfangreichsten Institutionenarchive der Akademie der Künste – lagerte im Gebäude der Volksbühne auf verschiedene Etagen verteilt in Schränken, Schachteln oder Kisten. Über Jahrzehnte sind manche Akten und Konvolute nicht mehr angefasst worden und waren sehr stark verschmutzt. Daher mussten viele Materialien vor der archivarischen Identifizierung, Zuordnung und Verzeichnung zunächst gereinigt und umgelagert werden. Dies betrifft u.a. Szenenfotos und Besetzungszettel/Programmhefte aus der Zeit bis 1944, aber auch zahlreiche empfindliche Aufführungsfotos, sowohl Abzüge wie Kontaktbögen oder Negativstreifen. Auch das Schriftgut aus den 1950er bis 1980er Jahren (Inszenierungsdokumentationen, Unterlagen aus dem „Künstlerischen Betriebsbüro“ sowie dramaturgisches Material) bedurfte dringend bestandserhaltender Maßnahmen.

Durch Inhouse-Oberflächenreinigung, Entfernung säurehaltiger Pappen, sich zersetzender Folien, Entmetallisierung und Umlagerung in archivgerechte Verpackungen wurde der Zustand eines Teils des künstlerischen Kernbestandes der Volksbühne gesichert und die Aufbewahrung verbessert. Erst nach diesen dringend notwendigen konservatorischen Maßnahmen ist es möglich, die Bestände archivarisch aufzuarbeiten und damit den Zugang für die wissenschaftliche Forschung zu eröffnen.

Projektleitung: Stephan Dörschel, Gwyn Pietsch, Annine Wöllner

Projektmitarbeit: Cornelia Hanke, Diplom-Restauratorin, Heidi Paulus, Diplom-Restauratorin, Stefanie Pfeifer, Diplom-Restauratorin

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien