John Heartfield: Krieg und Leichen – Die letzte Hoffnung der Reichen, Doppelseite aus der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung, 1932, Nr. 18 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2020. Akademie der Künste, Berlin

John Heartfield – Fotografie plus Dynamit

Ausstellung

Sobald es möglich sein wird, zeigt das Museum de Fundatie eine umfassende Retrospektive der Werke John Heartfields (1891-1968). Dieser deutsche Protagonist der Dada-Bewegung, Fotomonteur und politische Künstler nutzte seine Kunst als Waffe, mit der er ein Millionenpublikum erreichte. Es wird die größte Übersichtsausstellung des Œuvres dieses „Influencer avant la lettre“ sein, die in den Niederlanden jemals zu sehen war. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste in Berlin entstanden und wird anschließend nach London weiterreisen.

John Heartfield (geboren als Helmut Hertzfelde) stand an der Wiege des Berliner Dadaismus und erfand – gemeinsam mit George Grosz – im Jahr 1919 die Fotomontage. Zu jener Zeit wurde er auch Mitglied der KPD, der Kommunistischen Partei Deutschlands. Die KPD erkannte schon bald, was für ein kommunikatives Potenzial den fotografischen Bildmanipulationen Heartfields innewohnte und gab ihm die Gelegenheit, die Titelseiten der Zeitschrift AIZ (Die Arbeiter-Illustrierte Zeitung) frei zu gestalten. Außerdem betreute Heartfield die Wahlkampagnen der KPD. Er wurde aufgrund seiner scharfen Analyse des Nationalsozialismus, vor deren Hintergrund er Adolf Hitler gnadenlos aufs Korn nahm, gefeiert und gefürchtet. Sein Freund, der Kunstkritiker Adolf Behne, kennzeichnete seine Bildmontagen im Jahr 1931 als „Fotografie plus Dynamit“. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 musste Heartfield wegen der enormen Aussagekraft und des politischen Einflusses seiner Bilder Hals über Kopf aus Deutschland fliehen. Er setzte seine politische Propaganda und Aufklärung von Prag aus fort. Nach dem Exil in England während des Zweiten Weltkriegs kehrte Heartfield nach Deutschland zurück: Er entschied sich für die DDR. Dort wurde er von den neuen Machthabern mit Vorbehalt und Argwohn betrachtet. Es gelang ihm nicht, die propagandistische Kraft seiner Werke wieder aufleben zu lassen. Er verlegte sich auf die Buchgestaltung (womit er sich bereits seit Beginn seiner Künstlerlaufbahn beschäftigt hatte) sowie auf den Entwurf von Bühnenbildern. John Heartfield starb im Jahr 1968. Er hat gerade noch miterlebt, wie die Studentenbewegung der 1960er-Jahre die Bildsprache seiner Fotomontagen umarmte.

„Fotografie plus Dynamit“ zeigt das umfangreiche Œuvre Heartfields in seiner Gesamtheit: von politischer Werbung über Buchumschläge und Bühnenbildentwürfe bis zu Fotografie und Zeichentrickfilmen. Es werden auch Werke zu sehen sein, die zum ersten Mal ausgestellt werden. Dazu gehören Drucksachen, Zeichnungen und Artefakte aus Ostasien, die Heartfield als Inspirationsquelle dienten. Beinahe ein Jahrhundert später haben seine Werke nichts von ihrer explosiven Kraft eingebüßt. Die Bedeutung der Ausstellung geht daher über das Kennenlernen des Begründers der Fotomontage hinaus: Sie beinhaltet zudem eine Einladung an die neueste Künstlergeneration, sich von seinem Œuvre inspirieren zu lassen.

„John Heartfield – Fotografie plus Dynamit“ fügt sich hervorragend in die Ausstellungsreihe des Museum de Fundatie zur Zwischenkriegszeit und der DDR ein, wie „Tanz auf dem Vulkan – Kunst und Leben in der Weimarer Republik“ (2013) und die Retrospektiven der Maler Werner Tübke (2017) und Wolfgang Mattheuer (2017), die neben Bernhard Heisig Gründer der Leipziger Schule waren.

Die Ausstellung wird unterstützt von Fonds 21 und Mondriaan Fonds.

Die Ausstellung wurde von der Akademie der Künste in Berlin, Museum de Fundatie in Zwolle und der Royal Academy of Arts in London organisiert. Die Kuratoren sind Angela Lammert, Rosa von der Schulenburg und Anna Schultz.

9.6. — 22.8.

Museum de Fundatie
Blijmarkt 20
8011 Zwolle (NL)

Di – So 11 – 17 Uhr

€ 14/6

Weitere Informationen

www.museumdefundatie.nl