Konrad Wolf „Ich war neunzehn“

Filmvorführung, Vortrag und Diskussion

Im März 1934, vierzehn Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland, kam Konrad Wolf in die Sowjetunion. Er war neun Jahre alt und zweiter Sohn des Schriftstellers und Arztes Friedrich Wolf. Der Vater, ein engagierter, aus einer jüdischen Familie stammender Kommunist, hatte das Heimatland schon ein Jahr zuvor verlassen; nun waren ihm auch Frau und Kinder ins Exil nachgereist. 1936 erhielt Konrad Wolf die sowjetische Staatsbürgerschaft. 1943 trat er in die Rote Armee ein. In den beiden letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges, der in der Sowjetunion "Großer Vaterländischer Krieg" genannt wurde, gehörte er zur Politabteilung der 47. Armee, die sich den Weg vom Kaukasus nach Berlin freikämpfte.

Als er mit den russischen Truppen Deutschland erreichte, betrachtete Konrad Wolf, der inzwischen zum Leutnant befördert worden war, dieses Land längst nicht mehr als seine Heimat. Es stellte sich ihm als kaltes, monströses Gebilde dar, von dem Schreckliches ausging und zu dem er emotional nur negative Beziehungen aufbauen konnte. Doch Vorgesetzte und Kameraden erinnerten ihn immer wieder daran, dass er eben doch ein gebürtiger Deutscher war. Dass er keine Fremden, sondern seine eigenen Landsleute zu besiegen half. Und dass er auf ganz eigene Weise zwischen den Fronten stand. Diese Nähe und Ferne, dieses Verwurzeltsein in beiden Völkern, trieb Konrad Wolf von nun an ein Leben lang um. Auch in seinen Filmen, die er ab 1955 bei der Babelsberger DEFA inszenierte, kehrte er immer wieder auf das Verhältnis von Deutschen und Russen zurück. "Ich war neunzehn", gedreht 1968, wurde neben "Sonnensucher" (1957/58) und "Mama, ich lebe" (1976) zu seinem wichtigsten künstlerischen Diskussionsbeitrag zu diesem Thema.

aus: Ralf Schenk über "Ich war neunzehn" in "Der Filmkanon", einem Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung.
Hier finden sie den ganzen Text.




  

 

21.4. — 10.5.2015

Pariser Platz

Foyer im Erdgeschoss

Filmvorführung zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren
(Regie Konrad Wolf, Drehbuch Wolfgang Kohlhaase, DEFA, DDR 1968, 115 min, dt. mit engl. UT)
Wiederholung alle 2 Stunden

Eintritt frei