10.10.2016, 16 Uhr

Akademie der Künste trauert um Andrzej Wajda

Der Film- und Theaterregisseur Andrzej Wajda, geboren am 6. März 1926 in Suwałki/Polen, ist am 9. Oktober im Alter von 90 Jahren in Warschau gestorben. Andrzej Wajda war seit 1984 Mitglied und zugleich Gründungsmitglied der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste.

Andrzej Wajda prägte mit seinem Werk das europäische Kino. Bereits mit seinen frühen Filmen Eine Generation (1955), Der Kanal (1957) und Asche und Diamant (1958) ist er international bekannt geworden. Er hat sich in seinem filmischen Werk kontinuierlich der polnischen Geschichte gewidmet und sich mit Krieg und dem Kommunismus in seinem Land auseinandergesetzt (Der Mann aus Marmor, 1977; Pan Tadeusz, 1999 u.a.). In dem Film Das Massaker von Katyń (2007) erzählt er auch das Schicksal seines Vaters. 2013 kam sein Film Wałęsa. Der Mann aus Hoffnung in die Kinos. Sein letzter, in diesem Jahr fertiggestellter Film Nachbilder ist Polens Oscar-Kandidat für den besten fremdsprachigen Film. Andrzej Wajda hat ein Werk von über 60 Filmen geschaffen und unzählige Preise erhalten, darunter den Ehren-Oscar im Jahr 2000 und auf der Berlinale 2006 den
Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.

Volker Schlöndorff, ebenfalls Mitglied der Akademie, sagt anlässlich des Todes seines Freundes über Andrzej Wajda: „Arbeiter, Adelige, Offiziere, Revolutionäre und immer wieder starke Frauen aus allen Klassen decken das ganze Spektrum der polnischen Gesellschaft und Geschichte ab: aus der Summe seiner Filme ergibt sich das vielleicht vollständigste, jedenfalls menschlichste Bild, das man sich von Polen machen kann. Künstler sein hieß für ihn, Einer in einer langen Kette zu sein, die von der Renaissance bis heute Literatur, Musik und allen voran Malerei einschloss. Der Film müsse sich erst noch beweisen.“

Die Akademie der Künste trauert um ihr Mitglied.

Jeanine Meerapfel
Präsidentin der Akademie der Künste

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