12.5.2019, 12 Uhr

Fritz-Cremer-Archiv erschlossen

Fritz Cremer bei der Arbeit am Bertolt-Brecht-Denkmal
in seinem Atelier am Pariser Platz, Berlin, 1970er Jahre

Mit dem Archiv des Bildhauers Fritz Cremer (1906–1993) macht die Archivabteilung Bildende Kunst den schriftlichen Nachlass einer Persönlichkeit zugänglich, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Leitfiguren der ostdeutschen bildenden Kunst gehörte.

Der in Arnsberg/Westfalen geborene und an der Essener Folkwang-Schule ausgebildete Bildhauer, Grafiker und Zeichner war von 1946 bis 1950 Professor an der Akademie für angewandte Kunst in Wien und leitete bis 1950 die dortige Bildhauerabteilung. 1951 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste der DDR berufen. Zwischen 1954 und 1962 war der Künstler zweimal Sekretär der Sektion Bildende Kunst und von 1974-1983 Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR.

Der Neuzugang liefert nicht nur Erkenntnisse zur Entstehung zahlreicher Plastiken des Künstlers, wie z.B. die des Berliner Brecht-Denkmals. Das Schriftgutarchiv dokumentiert auch zahlreiche Reden und Diskussionsbeiträge für Ausstellungen und Veranstaltungen der Akademie, aber auch Stellungnahmen und Gutachten zu anderen Künstlern und deren Werken. Oft hängen diese Texte eng mit den in der DDR geführten Diskussionen um die Moderne zusammen, so etwa jene spektakuläre Rede, die Cremer im März 1964 auf dem Fünften Kongress des Verbandes Bildender Künstler Deutschlands vortrug.

Seine umfangreiche Korrespondenz hat sich zwar nur zu einem Teil erhalten. Sie bietet gleichwohl in manchen Details überraschende Einblicke, zumal viele Briefentwürfe darunter sind. Besonders aufschlussreich sind drei Teilkonvolute: Cremers Briefe an seine Schwester Emmy aus der Zeit zwischen 1931 und 1981 und an seine Frau Christa aus den 1970er und 1980er Jahren sowie der Briefwechsel, den er und seine erste Frau Hanna Berger zwischen 1946 und 1950 von Wien aus mit Berliner Freunden führten. Ergänzend dazu enthält der Nachlass autobiografische Skizzen und Äußerungen, etwa in Form von schriftlich vorbereiteten Interview-Antworten oder stichwortartigen Notizen. Mit diesen Dokumenten erweitert sich das Bild des vielbeschäftigten Bildhauers zu dem des kunstpolitisch engagierten und durchaus streitbaren Akademiemitglieds.

Plastiken von Fritz Cremer befinden sich in der Kunstsammlung der Akademie. Vom 11.11.2018 bis 10.03.2019 widmete sich die Ausstellung Motiv Mensch. Willi Sitte und Fritz Cremer im Dialog in der Rostocker Kunsthalle dem plastischen Werk der beiden Künstler.


Ansprechpartner: Michael Krejsa, Leiter des Archivs Bildende Kunst

Erstes Blatt der Gedanken Fritz Cremers zum Brecht-Denkmal
Berlin, 1957

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