Mirkan Deniz, Masa, 2015/16. Foto © Mirkan Deniz

„You Want Kilims, But I Do Films“.
Mirkan Deniz – Wir waren nur Gastgeberin

Ausstellung

In der Berlin Art Week wird Mirkan Deniz Masa, die Replik des Tisches, an dem 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet wurde, öffentlich aufstellen und am Pariser Platz gemeinsam mit den Videoinstallationen Barikat und verbunden zeigen.

Masa (2015-2016)
2008 erhielt die Türkei ein Geschenk von der Schweiz: Der damalige Bundesrat Pascal Couchepin überbrachte den Tisch, auf dem 1923 der Vertrag von Lausanne unterzeichnet worden war, und schenkte ihn seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül. Bei den Friedensverhandlungen von Lausanne war die Neuordnung des Nahen Ostens nach dem ersten Weltkrieg verhandelt worden. Den Kurden war zuvor ein eigener Staat in Aussicht gestellt worden, doch in Lausanne wurden diese Hoffnungen zunichte gemacht: Der dort unterzeichnete Friedensvertrag legte eine Aufteilung Kurdistans auf die Türkei, den Irak, den Iran und Syrien fest. Der Vertrag kam zudem einer Entrechtung von Armenier/innen, Kurd/innen und Georgier/innen gleich. Der Tisch befand sich bis 2008 im Besitz der Lausanner Verwaltung und ist nun im Kurtulus Savası Müzesi (War of Independence Museum) in Ankara ausgestellt.

Deniz hat eine exakte Replika dieses Tisches produziert und je eine öffentliche Aktion in Lausanne vor dem Palais de Rumine und in Bern vor dem Bundeshaus realisiert. Die von ihr initiierte offizielle Schenkung des Tisches an die Schweiz wurde sowohl von der Präsidentin des Großrates des Kanton Waadt als auch von Bundesrat Didier Burkhalter als Departementsvorstand des EDA (Eidgenössisches Amt für Auswärtige Angelegenheiten) abgelehnt. Der Großrat des Kanton Waadt gab an, dass dies eine Angelegenheit sei, die die ganze Schweiz betreffe. Didier Burkhalter dagegen schrieb:

„Bekanntlich wurde der Friedensvertrag von Lausanne zwischen der Türkei und weiteren, am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten geschlossen. Die Schweiz war weder an diesem Weltkrieg noch an den Verhandlungen beteiligt und (…) diente lediglich als Gastgeberin der Friedensgespräche. Vor dem Hintergrund, dass dem Friedensvertrag von Lausanne in der Türkei eine hohe Bedeutung beigemessen wird, schenkte der Präsident der Eidgenossenschaft 2008 dem Präsidenten der Türkischen Republik den Originaltisch als Zeichen der Freundschaft. In der Folge haben sich keine neuen Entwicklungen ergeben, die ein Interesse der Schweiz an einer Replika erweckt hätten. Deshalb möchten wir auf Ihr großzügiges Angebot gerne verzichten.“

Verbunden, Mirkan Deniz, Kurzfilm, 13 min, 2015
Der Kurzfilm verbunden erzählt die Erinnerungen einer Kurdin aus der Türkei, die als Zwölfjährige nach dem Militärputsch 1980 zusammen mit ihren Geschwistern verhaftet und gefoltert worden ist. Der Film zeigt kein Einzelschicksal: Die Protagonistin repräsentiert eine ganze Generation, die in einem stark politisierten Umfeld aufgewachsen ist, und die gewalttätigen Zwangsmaßnahmen des Staates erfahren hat. Um diesen Aspekt zu betonen, hat Mirkan Deniz eine Perspektive gewählt, in der die Protagonistin dem Betrachter den Rücken zudreht, die Hände hinter dem Rücken verschränkt eine Pose, die an die palästinensische Figur Handala erinnert. Die zuerst 1969 erschienene Figur des berühmten Cartoonisten Nadschi Salim al-Ali zeigt einen Flüchtling, der sein Gesicht nicht zeigen will, solange sein Volk nicht frei leben kann. Bis heute sitzen in der Türkei Minderjährige im Gefängnis. Aufgrund von Ausgangsperren und Straßensperren sind in den letzten Monaten zunehmend kurdische Zivilist/innen verletzt und getötet worden. verbunden erzählt deren Geschichte, ohne die Gewalt zu visualisieren und damit zu reproduzieren.

Barikat, Mirkan Deniz, HD. 13 min, 2017
Der Film Barikat (dt: Barrikade) zeigt eine Performance, inspiriert vom Alltagsleben der Kurd/innen, die seit mehr als einem Jahr in Gebieten der Türkei leben, in denen Aus-gangsperren das Alltagsleben beherrschen. Wenn sie trotz dem Ausgehverbot auf die Strasse  gingen, wurden sie getötet. Doch auch viele von denen, die zu Hause blieben, starben, denn die Häuser wurden bombardiert. Viele wurden gezielt ermordet, auch Frauen und Kinder, so dass die Menschen angefangen haben, Barrikaden zu bauen, um sich zu schützen. Es gibt viele Geschichten darüber, was die Leute dort erlebt haben der Film erzählt eine davon: In Cizre haben sich 60 Verletze in einem Bunker versteckt und keine  Hilfe bekommen. Als eine junge Frau begonnen hat, den Menschen dort zu helfen, bekam ihre  Mutter Angst, dass das Militär ihre Tochter erwischen würde. Wenn dies der Fall  gewesen wäre, hätte es sein können, dass sie sie getötet und nackt auf der Strasse  hätten liegen lassen. Die Familie hätte ihre Leiche nicht einmal mit nach Hause  nehmen und  beerdigen können dies ist in solchen Fällen verboten. Deshalb sagte die Mutter zu ihrer Tochter: „Meine Tochter, hoffentlich kommst du nicht lebendig aus diesem  Bunker.“ Später wurde dieses Gebäude tatsächlich bombardiert und die junge Frau sowie die 60 Verletzten starben.

Im Rahmen der

14. — 24.9.

Täglich 10 bis 20 Uhr

In deutscher Sprache

Eintritt frei