Sowjetische Wandmalerei / im ehem. Haus der Offiziere, Foto-Film Wünsdorf 2020 / Foto: Elfi Mikesch © OH MUVIE FOTO-FILM 2020

EMOP Opening Days Fotofilm-Reihe

Filmvorführung

Chris Marker La Jetée (F 1962), 28 min

Agnès Varda Salut les Cubains (F 1963), 30 min

Jutta Brückner Tue recht und scheue niemand – Das Leben der Gerda Siepenbrink (1975), 65 min

Helke Misselwitz 35 Fotos – Bilder aus einem Familienalbum (1988), 7 min

Peter Nestler Das Warten (Väntan, 1985), 6 min

Marc Thümmler Radfahrer (2008), 27 min

Tina Bara Lange Weile (2017), 60 min

Elfi Mikesch Wünsdorf (2020), 32 min

Der Fotofilm ist ein eigenes Genre, der auf Fotografien, auf unbewegten Bildern basiert, die als Bewegung wahrgenommen werden und sich zu einer Erzählung fügen, die ebenso fiktional wie dokumentarisch sein kann. Die Fotos stammen aus Archiven, Fotoalben oder sind, wie bei La Jetée, eigens inszeniert. Momentaufnahmen befragen das Medium Film auf sein Wesen hin, Stillstand und Bewegung.

Filmemacher*innen haben immer wieder Fotos als Basis ihrer künstlerischen Arbeit genutzt; mittels Kommentar und Montage einen neuen Kontext kreiert. So Jutta Brückner, die den Familienbildern, begleitet von dem Monolog ihrer Mutter, in Tue recht und scheue niemand Fotos u. a. von August Sander und Abisag Tüllmann hinzufügt, um zur Verallgemeinerung von gesellschaftlichen Verhältnissen zu kommen. Agnès Varda bezieht sich ganz auf die von ihr gefertigten 1.500 Fotos, die während einer Kuba-Reise entstanden sind, und erzählt von der Verschränkung von Politik und Alltag im sozialistischen Inselstaat.
Das Warten von Peter Nestler gründet auf Material, das das schwedische Fernsehen verkaufen wollte. Um auf diesen Vorgang hinzuweisen, macht er einen Film über ein Grubenunglück in Schlesien in den 1930er Jahren, indem er die rauen Arbeitsverhältnisse beschreibt.

Drei Filme der Reihe setzen sich mit der ehemaligen DDR auseinander: Helke Misselwitz unterläuft den Auftrag zu einem Jubiläumsfilm, in dem sie dem offiziellen Frauenbild das Recht auf das Individuelle entgegensetzt. Der Film konnte erst ein Jahre später gezeigt werden. Die Fotografin Tina Bara unternimmt anhand ihres eigenen Archivs eine Reise durch die 1980er Jahre in Ost-Berlin, als sich viele in parallele Leben zurückzogen, um sich dem politischen Druck zu entziehen. In Radfahrer untersucht Marc Thümmler die Sprache und Interpretationen der Stasi in Bezug auf die Fotografien von Harald Hauswald.

Filmemacherin und Fotografin Elfi Mikesch dokumentiert die Hinterlassenschaften der sowjetischen Armee am Standort Wünsdorf, wo schon im I. Weltkrieg Kriegsgefangenenlager eingerichtet waren. Sichtbar wird ein Ort, an dem die Hierarchie der militärischen Rangordnung genau so deutlich wird, wie die Sehnsucht nach Liebe zur Kultur, für die kein Aufwand gescheut wurde.

1. — 4.10.

Pariser Platz

Black Box

La Jetée von Chris Marker, Salut les Cubains von Agnès Varda, Tue recht und scheue niemand von Jutta Brückner, 35 Fotos von Helke Misselwitz, Das Warten von Peter Nestler, Radfahrer von Marc Thümmler, Lange Weile von Tina Bara, Wünsdorf von Elfi Mikesch

1.10., 12 – 24 Uhr

2. – 4.10., 11 – 19.30 Uhr

In deutscher und englischer Sprache

Eintritt frei

Der Einlass ist nach erfolgter Registrierung am Empfang und je nach verfügbaren Plätzen möglich.