Bilder einer Ausstellung. Foto © Matthias Horn

100 Jahre Bauhaus Zwei Bauhaustänze / Bilder einer Ausstellung
Double Bill: Rekonstruktionen

Tanzveranstaltung

Die Bauhaustänze „Stäbetanz" und „Reifentanz", beide 1928 für das Bauhausbühnen-Repertoire entstanden, gehören zu den von Oskar Schlemmer als „Material-Tänze" bezeichneten Nummern, in denen ein bestimmtes Material und seine szenischen Möglichkeiten thematisiert wurden. Im „Stäbetanz" sind an Brust, Armen und Beinen Holzstäbe befestigt, die die Mechanik der Gelenke vergrößern und sichtbar machen. Im „Reifentanz" wird am Umgang mit einfachen Holzreifen gezeigt, wie aus einem bestimmten Material und den daraus ableitbaren Formvariationen Möglichkeiten zu tänzerischen Aktionen und zur Gestaltung des Raumes gewonnen werden können" (Dirk Scheper).

Für die Rekonstruktion von 1974 konnte Gerhard Bohner Aufzeichnungen von Oskar Schlemmer benutzen, in denen Posen und einfache Bewegungen festgehalten sind, zwischen denen er, durch Kostüm und Requisiten begrenzt, Verbindungen schuf. Während Bohner für die ersten Aufführungen noch zeitgenössische Musik verwendete, griff er später auf die von Schlemmer und dem Bauhaus-Studierenden Alfred Ehrhardt geschaffene Komposition zurück.

Für das Eröffnungsfestival erarbeitete der katalanische Tänzer und Choreograph Cesc Gelabert eine Rekonstruktion der beiden Tänze. Gelabert beschäftigte sich intensiv mit der Bauhaustradition und brachte bereits Bohners Soloarbeiten „Schwarz Weiss Zeigen" und „Im (Goldenen) Schnitt" I und II weltweit erfolgreich auf die Bühne.

„Von den klassischen Balletten wissen wir, dass trotz sorgfältiger Rekonstruktion eine Neueinstudierung grundverschieden ist von der Choreographie der Entstehungszeit. So, denke ich, verhält es sich nun auch bei den Bauhaustänzen". Gerhard Bohner

Musik: Oskar Schlemmer
Klavier: Holger Groschopp
Choreographie: Gerhard Bohner nach Aufzeichnungen von Oskar Schlemmer
Rekonstruktion und Tanz: Cesc Gelabert
Recherche und Betreuung: Norbert Stück

 

Bilder einer Ausstellung
Wassily Kandinsky, Modest Mussorgsky

„Bilder einer Ausstellung" mit der Musik von Modest Mussorgsky wurde am 4. April 1928 am Friedrich-Theater Dessau in einer Matinee szenisch uraufgeführt. Wassily Kandinsky verwirklichte damit zum einzigen Mal als Regisseur und Bühnenbildner in einer Theateraufführung seine Idee der „abstrakten Bühnensynthese". Mit diesem Begriff verband er die Vorstellung der grundsätzlichen „Übersetzbarkeit" der verschiedenen Künste, deren Mittel wie Klang, Farbe, Wort, Bewegung zwar äußerlich formal verschieden, aber innerlich dort, wo Erkenntnis und Kunst beginnen, identisch seien. Kandinsky verzichtet auf eine äußere Handlung. Nicht Menschen sind die Hauptdarsteller, sondern farbige Flächen und plastische Formen, die sich im Klang der Musik und im Wechselspiel farbigen Lichts zu Bildern aufbauen und wieder im Nichts auflösen.

Im Bauhaus traf Kandinskys Theaterutopie auf fruchtbaren Boden: Das Untersuchen und Erforschen künstlerischer Mittel für das Theater und den Theaterraum ist Programm – und die Bauhausbühne das interdisziplinäre Experimentierfeld. Man erprobt u. a. in unterschiedlichen Varianten die „Mechanische Bühne". Licht, Ton und Bewegung von Bühnenelementen und Objekten werden die Hauptdarsteller.

55 Jahre später, 1983, wurde im Rahmen der 33. Berliner Festspiele eine Rekonstruktion des Stücks durch die Kostümbildklasse der Universität der Künste Berlin unter der Leitung von Martin Rupprecht und Horst Birr mit Studierenden erarbeitet und aufgeführt. Als Grundlage dienten Kandinskys Bildentwürfe, ein Interview mit Felix Klee, dem Regieassistenten der Uraufführung, und ein Klavierauszug, in dem Regieanweisungen zu Bild- und Lichtveränderungen vermerkt sind. 20 Jahre lang wurde diese Inszenierung immer wieder zusammen mit den „Bauhaustänzen" von Oskar Schlemmer in der Rekonstruktion von Gerhard Bohner auf Gastspielreisen gezeigt.

2003 wird der Stab weitergereicht an das Teatro Nuovo Giovanni da Udine, das die Berliner Rekonstruktion als Education-Projekt mit Jugendlichen aus Udine weiterführt.

Die im Eröffnungsfestival gezeigte Version wird getragen von einer Berliner Crew mit dem Pianisten Holger Groschopp, den Studierenden aus Udine und noch einmal von Horst Birr, der schon 1983 federführend dabei war.

Klavier: Holger Groschopp
Regie, Produktionsleitung: Horst Birr, Stefano Laudato
Licht: Frank Kwiatkowski
Malerei: Martin Dostal
Produktionsassistenz: Daniela Bürgin
Spieler*innen des Instituto Tecnico Industriale „Arturo Malignani" mit demTeatro Nuovo Giovanni da Udine

Uraufführung 1928, Rekonstruktion 1983/2019

Ein Projekt von 100 jahre bauhaus. Das Eröffnungsfestival, der Akademie der Künste, Berlin, des Teatro Nuovo Giovanni da Udine, der Universität der Künste, Berlin; Change Performing Arts Franco Laera, Mailand, und Spoleto Festival 2019, Spoleto, Italien.

Ein Gastspiel des Teatro Nuovo Giovanni da Udine, Italien, im Rahmen eines Education-Projekts

Mit besonderem Dank an Nele Hertling, Horst Birr und Stefano Laudato; mit freundlicher Unterstützung der CECCARELLI GROUP (Transport).

Weitere Vorstellung am 26. Januar 2019, 20 Uhr.

Freitag, 25.1.

20 Uhr

Hanseatenweg

Studio

Bauhaustänze „Stäbetanz" und „Reifentanz"
Oskar Schlemmer, Gerhard Bohner, Cesc Gelabert

Bilder einer Ausstellung
Wassily Kandinsky, Modest Mussorgsky

€ 30/25/15

Kartenreservierung

Tel.: (030) 200 57-1000
E-Mail: ticket@adk.de