Nanako Nakajima. Foto © Kanno Kento

Dance Archive Box Berlin Valeska-Gert-Gastprofessur Nanako Nakajima

Vortrag

Nanako Nakajima ist Tanzwissenschaftlerin, Tanzdramaturgin und Expertin für traditionellen japanischen Tanz. Sie war Forschungsstipendiatin am International Research Center „Interweaving Performance Cultures“ der Freien Universität Berlin und Dozentin an mehreren Universitäten in Japan. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der alternde Körper im Tanz, die Archivierung von Bewegung sowie Tanzdramaturgie.

Im Rahmen ihres Seminars zur Valeska-Gert-Gastprofessur wird sie eine eigene Berliner Version des Projektes Dance Archive Box erarbeiten, das, konzipiert von dem Theatermacher Ong Keng Sen, zunächst in Japan und Singapur mit zeitgenössischen und traditionellen Tanzkünstlern aus Asien und dem pazifischen Raum ausgetauscht und weiterentwickelt wurde.

Auf dem Gebiet des japanischen zeitgenössischen Tanzes – der sich vom System der familiären Schulen und des Meister-Schüler-Verhältnisses, wie es in Japan die Weitergabe der künstlerischen Tradition beherrscht, emanzipiert hat – stellte das Projekt Fragen wie:

Auf welche Weise kann ein Tanz vom historischen Zeithintergrund seines Erfinders getrennt betrachtet und kann die Archive Box zu einer allgemeinen schöpferischen Ressource für alle Menschen werden? Was bedeutet es, einen Tanz miteinander zu teilen, ohne die Zeit seines Schöpfers geteilt zu haben? Wie rekonstruieren wir wessen Geschichte, und für wen? Welcher Art Informationen sind notwendig, wenn wir einen Tanz rekonstruieren? Welche Aspekte des Tanzes in der Vergangenheit sollten als ein Archiv für die Zukunft weitergegeben werden?

Für Dance Archive Box haben sieben zeitgenössische Tanzschaffende aus Japan ihre Arbeiten nach ihren jeweiligen Methoden archiviert, eine Archivkiste erstellt und an Künstler*innen zur Wiederaufführung weitergegeben, die einen anderen Hintergrund haben.

Jetzt erhalten Studierende der Tanzwissenschaft der Freien Universität Berlin die Archivkisten aus Japan, um ihrerseits deren Funktionalität für die Neuaneignung zu untersuchen. Sie finden darin Spuren und Dokumente fremder Tanzbewegung: Zettel, Zeichnungen, Kostümteile, Tonaufnahmen oder einen kurzen Brief. In dramaturgischer und performativer Auseinandersetzung mit dem Kistenmaterial entsteht Dance Archive Box Berlin, eine praktische Untersuchung zur Archivierung und Rekonstruktion von Bewegung.

Einige der Kisten werden beispielhaft in der Antrittsvorlesung vorgestellt, in der Nanako Nakajima in einem Vortrag und im Gespräch mit Ong Keng Sen Motive ihrer Forschung zum alternden Körper im Tanz mit dem Dance Archive Box Projekt verknüpft.


Dance Archive Box
wurde von Ong Keng Sen 2013–2015 für die Saison Foundation, Tokio konzipiert und realisiert.

In Kooperation mit der Freien Universität Berlin und dem DAAD.

Dienstag, 22.10.

19 Uhr

Hanseatenweg

Clubraum

Mit Nanako Nakajima, Gabriele Brandstetter, Ong Keng Sen, Nele Hertling

In englischer Sprache

Eintritt frei